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Ich war endlos gewandert, durch verlassene Gegenden, über messerscharfe Gebirge, Hochländer aus Eis, hatte Wüsten durchquert, um am Ende das gelobte Land zu sehen, und hatte es gesehen … zerfetzt und ausgedörrt, in einem Wald hängend aus Kreuzen, und war erstarrt, tagelang, und flehte sie an, mich hinzu zu hängen, dreckig wie ein Schwein, die Schnauze im Schlamm, was die belagernden Hunde wahnsinnig machte. Männer aus Stahl kamen und sperrten mich in ihren tiefsten Kerker, wo es kein Licht gab und ich mir an den dunklen Mauern Kopf und Glieder blutig schlug, als Kind der Freiheit, das war schlimm. Stunde um Stunde versuchte ich mir die Gefühle zu durchschneiden, doch es ging nicht, und ich warf mich gegen die Gitter und schrieb Briefe im Kopf und wollte sterben, nur ins Schwarze noch, als man mir eine Pistole an den Schädel hielt, wonach ich nichts mehr weiß.
Ich erwachte auf einer Brücke, anscheinend nach längerer Zeit, übersät mit Narben, ausgemergelt wie ein Stock und schleppte mich zur nächsten Weggabelung, als mir ein stolzes Gesicht auffiel, dessen Schweigen mich in seinen Bann zog und mir den Kreis der Sonne erklärte, ohne ein einziges Wort. Wir gingen durch eine Wüste voller Zeichen, die plötzlich Sinn ergaben und sprachen mit Tieren und Geistern, die uns vom Ursprung erzählten, den die Zersetzung vor langer Zeit zerteilt hatte. Und mein Begleiter führte mich weiter, wir trafen die Urväter und ohne mein Zutun verließ mich mein Schutz, den ich hier nicht mehr brauchte. Und die Väter ließen mich sitzen, etwas abseits, allein, bis einer kam und mich in ein kochend heißes Zelt aus Steinen führte, die Trauer ausschwitzen, bevor sie mich heraus trugen und in einen Bach warfen, dessen eiskaltes Wasser mich verjüngte, auf der Stelle. Man rieb mich mit Sand ab und salbte mich gegen den Wind, mit der Milch wilder Tiere, die sie im Tanz gereinigt hatten, und führte mich an das größte der Feuer, hier tanzten die Jungfrauen, vermählt mit den Pilzen der Nacht, und ein uralter Mann kam heran und durchbohrte mich mit den Augen seines mächtigen Gottes und reichte mir einen Trank, der mir die Eingeweide ausbrannte und etwas abtötete in mir. Die schönen Geschöpfe nahmen mich in ihre Mitte und wir verschwanden zwischen den Flammen in wahren Sinnesbeben, alle Zeit hatte sich aufgelöst, doch auch dass hörte auf, und ich fand mich völlig erschöpft in die Höhen des Himmels schwebend, noch das vertraute Lachen im Ohr, als sich der Nebel teilte und ein Diener kam, seine Königin ließe mich rufen. Ich folgte ihm in eine Kathedrale, so alt wie die Welt selbst, wo eine mächtige Stimme ertönte, ich solle vor eine riesige Schlange treten, gewunden um das Bett der Königin, mit unzähligen Köpfen, hinter denen sie strahlte, dass ich fast blind wurde, worauf die Köpfe des Ungeheuers hervor schnellten, tödlich, und ich sie abriss, als seien es vertrocknete Nelken.
Die Königin lächelte, dass es mir durch und durch ging, sie war nackt, winkte mich heran und umhüllte mich mit ihrer Haut, die mir alles zurück gab, was ich je verloren hatte. All die Tragik fiel ab und wir brannten uns Zeichen ein, nun waren wir verbunden. Ich wurde mir der Verantwortung bewusst und weinte vor Glück, und von überall schwebten Gesänge heran, merkwürdig entrückt, und die Wände um uns herum begannen zu versinken, bei einer geheimnisvollen Musik, die alles noch verstärkte. Im Hintergrund murmelten die Dienerinnen und von weitem sang ein Schamane, tief wie ein Messer, mitten aus dem trottenden Vieh, und die Königin hielt inne, und Hand in Hand sahen wir uns die tiefen Abgründe zwischen den Massen und den Müll überall, die öligen, steifen, verstellten Prediger, mit all ihrer Dummheit in den Gesichtern an, und wie sie gelangweilt auf die blechernen Trommeln schlugen, die sie den Zigeunern weggenommen hatten und die sie nun mit verzerrten Mäulern, an sterilen Pfählen quälten, während diese herzzerreißende Lieder sangen, mit allem Schmerz der Welt, die mich schwach machten, selbst die Tiere weinten.
Und wir machten uns auf den Weg, hinab in die Enge, in die nächste Stadt, und besorgten uns nichtssagende Kleider aus einem Kasten an der Strasse und hielten an einem Spätshop und gingen weiter und legten uns mit einem Sixpack ins sommerlich feuchte Gras, neben eine verlassene Bank im erstbesten Park, wo andere Flüchtlinge hinter flackernden Tannen, totes Fleisch aus dem Supermarkt grillten.
in “Hochroth Nr.2″ (Zeitschrift) / hochroth Verlag (2010)
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immer wieder
verteilt über die Stunden
Spritzer von Klarheit
die mich niedermähen
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da gingen sie
weich im Panzer
ruhig gestellt
an Schläuchen
bleich ins Eis
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keine Überraschungen mehr
unter Teebeuteln verschüttet
der abklingende Ton
Reste eines Seidenflakons
rot blinkende Ziffern
online -> Lyrikmail (2011)
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spät
niemals schwarz
sind die Messer
fein ziseliert
und spritzen Farben
himmelrot
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irgendwo brannte es
in der Dunkelheit
bizarr leuchtende Gebilde
die uns den Atem nahmen
und wir erzählten uns alles
dabei verschwiegen wir eine Menge
einvernehmlich
unter einer Uhr
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versengt von der Wahrheit
kapituliert vor den Versprechen
hängen die Schwäne
am Ende des Sommers
tot im Sonnenflur
an einem Draht
in den schweigsamen Himmel
in “Hochroth Nr. 1″ (Zeitschrift) / hochroth Verlag (2010)
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Letzte Nacht
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An nächtlicher Kreuzung
acht mit dunklem Tuch verhüllte Männer
im Ampelrot starr
an jeder Ampel einer
aufrecht wie Lanzen
warten
stehen
bis abwechselnd jeder
nach längerer Pause
Unverständliches stöhnt
tonlos blutleer
dann automatisch wirr lachend
in den Nebel
über nass schmierigen Kopfstein
vernarbter Straße …
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Gehe unauffällig hindurch
an nächster Kreuzung dasselbe
Ampeln rot
acht starr stehende
ab und zu monströs entgleisende Gestalten …
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Tippe eine an
nichts
Körper wie Stein
hart
kann kein Gesicht finden
werde schneller
fange an zu rennen
in einen U-Bahnschacht
warte zwischen zwei schlafenden Bündeln
dumpfe Minuten auf einer bekritzelten Bank
durch gespenstische Tunnel
drei Stationen mit Opfern der Nacht
der Waggon stinkt
drücke den Türknopf renne hoch
niemand
alle Ampeln normal
keine …
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Beruhige mein Herz
schließe das Rad vom Pfahl
steige auf
spalte sterbendes Laub
bis
zu mir
lande im Bett und binde
meine Seele
los …
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Ameisen
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Höher
schneller
weiter
Maschinenparks
umzingelt von
Ameisen
irre Ameisen
fressen
alles
auf.
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in “Frau und Hund” Nr. 13 / Zeitschrift für kursives Denken – Herausgeber: Markus Lüpertz (2008)